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In Phasen der geistigen Entspannung, in Kaffeepausen, unter der Dusche, im Halbschlaf vor dem Aufstehen begleitet mich meine Masterarbeit nun seit geraumer Zeit. Dies sind manchmal quälende, manchmal motivierende, manchmal sogar erfreuliche Gedanken.
Das schaffe ich nie im Leben bis dahin! Der Absatz ergibt keinen Sinn! Hier ist gar kein roter Faden zu erkennen! Das muss ich alles zusammenfassen, umschreiben, einkürzen, rausstreichen!
Der Abschnitt ist mir richtig gut gelungen! Heute habe ich viel geschafft! Meine Zeiteinteilung ist gut, das schaffe ich!
Wenn ich damit fertig bin, dann …

Und so habe ich eine Liste in meinem Kopf begonnen, mit Dingen, die ich machen werde, bis ich das Referendariat antrete. Bisher habe ich sie noch nicht aufgeschrieben, aber sie kreisen in meinem Kopf. Kennt ihr das nicht? In einer Zeit, in der man an einem wichtigen, alles überstrahlenden Projekt arbeitet, kommen einem plötzlich so viele wunderbare Ideen, die man umsetzen möchte, sobald man das Projekt abgeschlossen hat.
Eben so ergeht es mir gerade wieder bei der Masterarbeit.
Gerade habe ich mich entschieden, die Liste aufzuschreiben, hier, um wieder Platz im Kopf und weniger störende Gedanken zu haben.
Ich freue mich auf:

  • das DOK-Film Festival in Leipzig (in der Woche nach der Abgabe)
  • meine Feundin J. zu besuchen, die ich schon so lange nicht mehr gesehen habe
  • einen alten Stuhl zu restaurieren, der im Garten meiner Eltern steht
  • endlich das Fotoalbum vom diesjährigen Sommerurlaub zu binden und mit Erinnerungen zu füllen
  • Weihnachtseinkäufe und die Erstellung einer Weihnachtsgeschenke-Liste (mein Leben hat viele Listen)
  • ein Häkchen hinter „Masterarbeit“ zu setzen, ein Stichpunkt der auf der „Das will ich dieses Jahr erreichen“-Liste zu finden ist
  • endlich mal wieder nach Rezepten kochen (derzeit steht viel Mensa und Pasta auf der Speisekarte)
  • an den Wochenenden frei haben
  • Raclette machen
  • Ausflüge machen nach Magdeburg/München/Dresden/Bayreuth/Berlin/Hamburg
  • Belletristik lesen (und keine Fachliteratur)
  • fotografieren
  • malen

Und so könnte das weiter gehen…
Wie das bei mir häufig so ist, werde ich wahrscheinlich die allerwichtigsten Dinge in meiner ersten freien Woche machen, dann noch die zweite Woche mit einigen aufregenden Vorhaben füllen und ab Woche drei wird sich der übliche Drang nach mehr einstellen. Das ist der Zeitpunkt, zu dem ich feststelle, dass diese schönen Dinge des Lebens eben nicht alles für mich sind.

Und wenn ich mich so lese, realisiere ich, wie glücklich ich eigentlich bin. Wie M. sagen würde: Ich bin am oberen Ende der Maslowschen Bedürfnispyramide. Ich bin im Stadium der Selbstverwirklichung. Das was mich interessiert, was mich antreibt,  motiviert und zum Weitermachen bewegt, was mir Spaß macht und mich mit Freude erfüllt ist genau das, was ich mache. Mein Leben wird bereichert durch die vielen kleinen Dinge. Aber das was das Feuer am Brennen hält, das ist das, was ich tue. (Was für eine schöne selbstreflektierte Aussage, für jeden Psychologen und Motivationsforscher ein wahrer Leckerbissen!)

Und dennoch gibt es Arbeitsphasen, in denen ich nicht so motiviert fühle. Zum Beispiel habe ich das Schreibvolumen von 60 Seiten (inkl. Bibliografie) unterschätzt. Ich hatte zunächst Angst, ich müsste Vieles weglassen, weil ich mehr zu sagen hätte, dann wieder hatte ich Angst ich könne die Seiten nicht füllen, nun ist wieder die Angst da, dass ich so viel kürzen muss, weil ich mich Seite 60 nähere, aber noch lange nicht alles gesagt ist.

Möglicherweise habe ich einen Fehler begangen, weil, wie J. sagt, ich zu viel gelesen habe. Und ich glaube, sie hat nicht Unrecht: mit jeder Quelle mehr die ich lese komme ich auf neue Gedanken, die ich mit einbinden möchte. Mittlerweile sind es 77 Quellen, die zwar nicht alle verwendet, aber dennoch von mir gelesen und bearbeitet wurden. Dank Citavi habe ich auch einen Überblick über die gesamte Datenbank und kann schnell auf Zitate und Zusammenfassungen zurückgreifen. Danke R. für den Tipp mit diesem Programm, ich weiß nicht, was ohne es getan hätte! Vielleicht hätte ich weniger gelesen?

 

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